{"id":17374,"date":"2026-05-23T09:30:15","date_gmt":"2026-05-23T07:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.journee-mondiale.com\/de\/160-millionen-jahre-alter-korallenriff-rest-steht-60-meter-ueber-diesem-kanal-180-km-von-paris\/"},"modified":"2026-05-23T09:30:15","modified_gmt":"2026-05-23T07:30:15","slug":"160-millionen-jahre-alter-korallenriff-rest-steht-60-meter-ueber-diesem-kanal-180-km-von-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.journee-mondiale.com\/de\/160-millionen-jahre-alter-korallenriff-rest-steht-60-meter-ueber-diesem-kanal-180-km-von-paris\/","title":{"rendered":"160 Millionen Jahre alter Korallenriff-Rest steht 60 Meter ueber diesem Kanal, 180 km von Paris"},"content":{"rendered":"<p>Der Kalkstein unter den Fingern ist warm, rauer als erwartet und leicht por\u00f6s. Das ist kein Zufall. Die <strong>Rochers du Saussois<\/strong> in <strong>Merry-sur-Yonne<\/strong>, D\u00e9partement Yonne, sind der Rest eines Korallenriffs aus dem Jura, das vor rund <strong>160 Millionen Jahren<\/strong> unter einem flachen Binnenmeer lag. Weil das Gestein so dicht geblieben ist, halten die Griffe seit Jahrzehnten. Wer nicht klettert, steht trotzdem oben.<\/p>\n<h2>Ein Korallenriff mitten in Burgund<\/h2>\n<p>Das Jurameer bedeckte damals weite Teile des heutigen Frankreich. Korallen setzten sich ab, Kalk sedimentierte sich \u00fcber Jahrmillionen, das Meer zog sich zur\u00fcck. Tektonische Bewegungen hoben das Plateau an, der Fluss schnitt tiefer ins Gel\u00e4nde. Das Ergebnis ist eine Wand aus kompaktem Jurakalk, die heute <strong>60 Meter<\/strong> senkrecht \u00fcber dem <strong>Canal du Nivernais<\/strong> steht.<\/p>\n<p>Weil Jurakalk dichter und wetterfester ist als viele andere Kalkformationen, verwittert er langsamer. Die Felswand blieb intakt, die Struktur ist griffig, der Stein h\u00e4lt. Das erkl\u00e4rt, warum France V\u00e9lo Tourisme die Saussois als ehemaligen Korallenriegel aus dem Jura beschreibt und als eines der dichtesten Klettergebiete Frankreichs bezeichnet.<\/p>\n<p>Ein Guide, der die Route seit Jahrzehnten kennt, formuliert es knapp: Der Fels verzeiht wenig, aber er l\u00fcgt auch nicht. Was tr\u00e4gt, tr\u00e4gt wirklich. <a href=\"https:\/\/www.journee-mondiale.com\/de\/855-meter-ueber-dem-neckartal-sieht-man-von-dieser-albkante-bis-zum-schwarzwald-80-km-entfernt\/\">Wer Jurakalk-Felsen kennt und sch\u00e4tzt, findet auf der Schw\u00e4bischen Alb einen direkten Vergleich<\/a>, aber die Vertikale \u00fcber einem Kanal ist eine andere Kategorie.<\/p>\n<h2>400 Routen, ein Kanal, kein Ticket<\/h2>\n<p>France V\u00e9lo Tourisme best\u00e4tigt rund <strong>400 Kletterrouten<\/strong>, gestuft von Grad <strong>4 bis 8<\/strong>. Das ist kein Einsteigerfels und kein Elitefels. Wer technisch sauber klettert und Grad 5 beherrscht, findet hier Material f\u00fcr mehrere Wochenenden. Grad 7 und h\u00f6her verlangen spezifische Sportklettertechnik, die man vorher ge\u00fcbt haben sollte.<\/p>\n<p>Petit Fut\u00e9 nennt die Saussois seit Jahren &#8222;la falaise des Parisiens&#8220;, die Felsen der Pariser. Der Name hat einen pr\u00e4zisen Grund: Von Paris sind es rund <strong>180 km<\/strong> \u00fcber die A6 Richtung Auxerre, dann s\u00fcdw\u00e4rts auf der D100. TheCrag gibt die Laufzeit vom Parkplatz zum Felsfu\u00df mit <strong>2 bis 5 Minuten<\/strong> an. F\u00fcr Wochenendkletterer aus der Hauptstadt ist das eine kurze Anfahrt an einen langen Fels.<\/p>\n<p>Wer lieber mit der Bahn reist, nimmt ab Paris Gare de Lyon den TER nach Auxerre, Fahrzeit rund <strong>1 Stunde 40 Minuten<\/strong>, und mietet dort ein Fahrrad oder Auto f\u00fcr die letzten Kilometer nach Merry-sur-Yonne. Der Zugang zum Klettergebiet selbst ist frei, es gibt keinen Eintrittspreis und keine Buchungspflicht.<\/p>\n<h2>Was man ohne Kletterschuhe erlebt<\/h2>\n<p>Ein ausgeschilderter Wanderweg f\u00fchrt vom Dorf auf das Plateau, ohne Sicherung und ohne Kletterausr\u00fcstung. Hotel Le Maxime weist ausdr\u00fccklich darauf hin, dass es oben keine Absperrungen gibt. Wer H\u00f6he scheut, bleibt besser auf dem Kanalweg unten. Der Blick von oben ins Yonne-Tal ist trotzdem der Grund, warum Tripadvisor-Rezensenten immer wieder von &#8222;spektakul\u00e4ren Aussichten&#8220; schreiben.<\/p>\n<p>Der Weg entlang des Canal du Nivernais unter den W\u00e4nden ist flach, gut f\u00fcr Fahrr\u00e4der und Teil einer <a href=\"https:\/\/www.journee-mondiale.com\/de\/dieses-10-333-einwohner-staedtchen-am-fluss-yonne-kostet-70-e-statt-150-e\/\">ausgedehnten Radroute entlang der Yonne<\/a>. Die Felswand wirkt von unten noch gr\u00f6\u00dfer als von oben. Im Mai, wenn das Laub noch kein vollst\u00e4ndiges Dach bildet, ist der Kalk in der Fr\u00fchsonne gut durchlichtet. Es riecht nach feuchtem Gras und Kanalwasser.<\/p>\n<p>Oben auf dem Plateau sieht man das Tal in einer Breite, die man von unten nicht ahnt: Wiesen bis zur n\u00e4chsten Flussbiegung, Pappelreihen, ein paar Hausd\u00e4cher von Merry-sur-Yonne. Die Klippen halten den Wind ab, also bleibt die Kanaloberfl\u00e4che bis in den Vormittag hinein glatt und spiegelnd.<\/p>\n<h2>Was der Ort nicht hat<\/h2>\n<p>Die Saussois sind kein Ziel, das mit Infrastruktur verw\u00f6hnt. In Merry-sur-Yonne gibt es laut Tripadvisor auf der gegen\u00fcberliegenden Kanalseite einen Proximarket und Restaurants. Ein vollst\u00e4ndiges Hotelangebot direkt am Fels fehlt. <a href=\"https:\/\/www.journee-mondiale.com\/de\/350-000-olivenbaeume-auf-weissem-kalkstein-warum-dieser-naturpark-in-der-provence-im-mai-am-ruhigsten-ist\/\">Wer Kalkstein mit gutem Schlafkomfort verbinden will, findet im Naturpark Provence eine andere L\u00f6sung<\/a>, aber auch andere Preise.<\/p>\n<p>Wer komfortabel schlafen will, f\u00e4hrt nach <strong>Auxerre<\/strong>, rund <strong>30 km<\/strong> n\u00f6rdlich. Das ist die ehrliche Einschr\u00e4nkung. Der Ort belohnt Eigeninitiative und straft Passivurlaub. Mit Fahrrad, Kletterausr\u00fcstung oder schlicht mit Neugier und einem Picknick am Kanalufer findet man hier etwas, das die Weinstra\u00dfen Burgunds nicht bieten.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufige Fragen zu den Rochers du Saussois<\/h2>\n<h3>Wann ist die beste Reisezeit?<\/h3>\n<p>Petit Fut\u00e9 nennt <strong>M\u00e4rz bis November<\/strong> als Klettersaison. Hotel Le Maxime empfiehlt ausdr\u00fccklich den <strong>Herbst<\/strong> f\u00fcr Stille und frische Luft. Im Mai sind die W\u00e4nde in der Fr\u00fchsonne gut durchlichtet, die Wege noch nicht \u00fcberlaufen. Hochsommer bringt mehr Kletterer aus Paris an die Felsen.<\/p>\n<h3>Braucht man Kletterausr\u00fcstung f\u00fcr den Besuch?<\/h3>\n<p>Nein. Der Wanderweg auf das Plateau ist ohne Ausr\u00fcstung begehbar, der Kanalweg darunter ist flach und fahrradtauglich. Kletterer ben\u00f6tigen eigene Ausr\u00fcstung. Hotel Le Maxime warnt vor dem Fehlen von Absperrungen am Plateaurand. Gef\u00fchrte Kurse direkt vor Ort sind laut verf\u00fcgbaren Quellen nicht standardm\u00e4\u00dfig angeboten.<\/p>\n<h3>Was kostet ein Tag an den Saussois?<\/h3>\n<p>Der Zugang ist kostenlos, Airial Travel und Tripadvisor best\u00e4tigen das. Wer in Auxerre \u00fcbernachtet, rechnet mit ab <strong>70 Euro<\/strong> pro Nacht f\u00fcr ein einfaches Hotel. Die Bahnfahrt von Paris Gare de Lyon nach Auxerre liegt je nach Buchungszeitpunkt zwischen <strong>15 und 40 Euro<\/strong> einfach. Ein Picknick vom Proximarket in Merry-sur-Yonne kostet einen einstelligen Betrag.<\/p>\n<p>Das Wasser des Canal du Nivernais spiegelt die Felswand am fr\u00fchen Morgen fast vollst\u00e4ndig, bevor der erste Schleppkahn die Oberfl\u00e4che bricht. Der Kalk oben ist dann noch im Schatten. Unten riecht es nach feuchtem Gras und Kanalschlamm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kalkstein unter den Fingern ist warm, rauer als erwartet und leicht por\u00f6s. Das ist kein Zufall. Die Rochers du Saussois in Merry-sur-Yonne, D\u00e9partement Yonne, sind der Rest eines Korallenriffs aus dem Jura, das vor rund 160 Millionen Jahren unter einem flachen Binnenmeer lag. 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