Die Metro-Linie 7bis ist eine der kürzesten in ganz Paris. Sie fährt nur zwischen Louis Blanc und Pré-Saint-Gervais, hält an genau acht Stationen, und endet an einem Ort, zu dem kein Reiseführer der letzten zwanzig Jahre ernsthaft geraten hat. Wer hier aussteigt und fünf Minuten nach Süden läuft, steht vor dem Parc de la Butte-du-Chapeau-Rouge, 5 avenue Debidour, 75019 Paris. Eintritt kostenlos. Hunde verboten. An einem Wochentag im Mai liegt das Gras fast vollständig leer.
Der Untergrund hat diesen Park erzwungen
Der Hügel, auf dem der Park liegt, war über Jahrhunderte ein Abbaugebiet für Gips. Das sogenannte Montmartrianische Gipsgestein unter dem Nordosten von Paris wurde seit dem Mittelalter aus dem Boden gebrochen, weil die wachsende Stadt diesen Baustoff brauchte. Weil der Untergrund durch den Abbau ausgehöhlt war, ließ er sich nicht verdichten wie anderswo in Paris. Weil kein Verdichten möglich war, blieb der Hügel frei.
Weil der Hügel frei blieb, hatte die Stadt 1939 einen Grund, ihn als öffentliche Grünanlage auszuweisen. Der Landschaftsarchitekt Louis Azéma hat daraus keine romantische Stadtidylle gemacht. Er hat die Topografie eines Bergbaurests in eine terrassierte Anlage mit Sichtachsen und Brunnen verwandelt. Die Geometrie des Parks folgt der Neigung des Geländes, nicht einer Gartenidee aus dem Lehrbuch.
Das ist der Grund, warum dieser Park existiert und kein Wohnblock. Wer die Ursache kennt, sieht die Wirkung anders.
Was auf dem Hügel steht
Der monumentale Brunnen nahe dem Hauptzugang gehört zur ursprünglichen Planung von 1938/1939. Heller Kalkstein, flach fallendes Wasser, eine Oberfläche, die man anfassen will, weil der Stein rau und kühl bleibt, selbst wenn die Luft warm ist. Wer erwartet, dass ein unbekannter Park auch eine unbekannte Ästhetik hat, merkt hier, dass Azéma etwas anderes vorgesehen hatte.
Drei Skulpturen machen den Park ungewöhnlich für eine Anlage dieser Größe. Die Skulptur Ève stammt von Raymond Couvègnes, Kindheit des Bacchus von Pierre Traverse. Ein Mahnmal für die Opfer des Nordafrika-Krieges wurde von Eugène Dodeigne geschaffen. Das sind Werke von Bildhauern, deren Namen in größeren Pariser Museen auftauchen. Weil der Park keine Tourismusdichte hat, stehen sie ohne Absperrung, ohne Audioguide, ohne Wartezeit.
Ortskundige Pariser, die regelmäßig durch das Viertel Mouzaïa laufen, beschreiben den Park als einen Ort, an dem man die Skulpturen zum ersten Mal wirklich sieht, weil man nicht um sie herumgedrängt wird.
Buttes-Chaumont oder Chapeau-Rouge: eine ehrliche Abwägung
Der Parc des Buttes-Chaumont liegt 1,8 km südlich. Er hat einen See, eine Felseninsel mit Tempel, Restaurantbetrieb, und an Wochenenden im Mai eine Besucherdichte, bei der die Rasenwege zur Engstelle werden. Wer einen See will, Bootfahren, Kiosk: Buttes-Chaumont ist die richtige Wahl. Das ist keine Kritik, es ist ein anderer Park mit einem anderen Angebot.
Der Parc de la Butte-du-Chapeau-Rouge hat Stille auf einer Hügelkuppe über dem östlichen Paris. Er hat einen Blick über die flacheren Viertel des 19. Arrondissements, bei dem man versteht, wie weit die Stadt nach Osten geht, bevor sie endet. Wer schon gelernt hat, dass Geologie den Charakter eines Ortes bestimmt, findet das hier wieder bestätigt. Die Öffnungszeiten gehen bis 21:30 Uhr, also bleibt nach dem Abendessen noch Zeit.
Ein Einheimischer aus dem Viertel, der den Park seit Jahren nutzt, formuliert es so: Buttes-Chaumont ist für Besucher. Hier kommen die Leute, die im Quartier wohnen.
Wie man hinkommt und was man wissen muss
Metro Linie 7bis bis Station Pré-Saint-Gervais, danach etwa 5 Gehminuten nach Süden. Alternativ Tram T3b, Haltestelle Butte du Chapeau-Rouge oder Hôpital Robert-Debré. GPS: 5 avenue Debidour, 75019 Paris. Öffnungszeiten im Sommer 2026: 7:00 bis 21:30 Uhr. Eintritt kostenlos, wie bei den meisten Pariser Stadtparks.
Hunde sind laut paris.fr (2026) nicht erlaubt. Trinkwasserbrunnen und Toiletten sind vorhanden. Das Silhouette-Kurzfilmfestival findet in den Sommermonaten statt, ist ebenfalls kostenlos und macht einige Abende voller als gewöhnlich. Das Viertel Mouzaïa, direkt angrenzend, hat kleine Gassen mit Häusern aus dem späten 19. Jahrhundert, keine 10 Gehminuten vom Parkeingang entfernt, und wird von keinem Reisebus angefahren.
Häufige Fragen zum Parc de la Butte-du-Chapeau-Rouge
Ist der Park für Reisende über 50 und Familien geeignet?
Der Park hat befestigte Wege, Sitzgelegenheiten, Trinkwasser und Toiletten. Weil Teile des Geländes geneigt sind, ist stabiles Schuhwerk sinnvoll. Ein Kinderspielplatz ist vorhanden. Rollstuhlfahrer sollten die Eingänge vorab prüfen, weil der Hügel nicht überall barrierefrei erschlossen ist.
Wann ist der beste Reisezeitpunkt?
Mai und früher Juni gelten als ruhigste Monate, weil die Schulsaison noch läuft und die großen Sommerferien noch nicht begonnen haben. An Wochentagen vor 11 Uhr und nach 19 Uhr liegt der Park fast leer. Während des Silhouette-Festivals im Sommer steigen die Besucherzahlen an bestimmten Abenden spürbar an.
Was kostet ein Besuch insgesamt?
Der Parkeintritt ist kostenlos, das Silhouette-Festival ebenfalls. Ein vergleichbarer Nachmittag mit Skulpturen und Gartenarchitektur kostet anderswo in Frankreich schnell 10 bis 15 Euro Eintritt. Wer ein Picknick mitbringt und die Bäckerei im Viertel Ménilmontant, etwa 20 Gehminuten westlich, als Zwischenstopp nutzt, hält den Tag unter 15 Euro.
Der Kalkstein des Brunnens ist kühl, selbst wenn die Luft schon warm ist. Das Gras riecht nach dem Regen vom Vortag. Unten, hinter der Baumkante, zieht sich Paris nach Osten weiter, flach und dicht, bis irgendwo die Stadt aufhört.
